Geschichte
Familie von Lüttinghof
Die älteste urkundliche Erwähnung von Haus Lüttinghof als castrum
Luttekenhove datiert vom 28. August 1308. Es handelt sich um eine
Lehnsurkunde zwischen dem Kölner Erzbischof Heinrich II. und Dietrich von
Flerke. Die Familie von Flerke (auch von Vlierke) besaß im 13. Jahrhundert
eine Burg an der Lippe bei Ahsen. Diese Burg an der Grenze der kurkölnisches
Veste Recklinghausen wurde 1287 im Zuge einer Fehde mit der Grafschaft Mark
von Eberhard I. von der Mark zerstört. Irgendwann danach, vermutlich aber
kurz vor 1308, ließ Dietrich von Flerke in einer Niederung zwischen
Gelsenkirchen-Buer und Polsum eine Wasserburg errichten. Danach nannte er
sich Dietrich von Luttekenhove, also von Lüttinghof. 1322 übernahm sein Sohn
Dietrich (II.) von Lüttinghof die Burg. Er gewann politischen Einfluss im
Vest und wurde 1352 Amtmann in Recklinghausen und Dorsten. Sein Sohn
Dietrich (III.) von Lüttinghof war ab 1361 Burgherr, starb aber 1376 ohne
Nachkommen.
Familie Stecke
Neuer Lehnsträger wurde der Knappe Johann Stecke aus einer Familie des
Landadels aus dem Herzogtum Kleve. Sein Sohn Borchard II. Stecke nutzte die
Burg als militärischen Stützpunkt für seine Fehden. Er hatte jedoch mit
seiner Frau Elisabeth de Grave keinen männlichen Nachkommen.
Familie von der Ruer
Die Tochter von Borchard II., Elisabeth Stecke, hatte 1430 Reiner von der
Ruer geheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Godert von der Ruer wurde 1454 Herr
von Haus Lüttinghof. Von ihm ist die sogenannte „Kiliansfehde“ überliefert:
Godert hatte im Sommer 1465, als in Essen die Kilianskirmes gefeiert wurde,
heimlich 800 Stück Vieh von Essener Weiden nach Lüttinghof getrieben. Godert
ließ seine Bauern und Schützen aus Recklinghausen auf Lüttinghof Stellung
nehmen und verteidigte die Burg gegen die Essener. Sein Sohn Burchard von
der Ruer war ebenso kampfeslustig. Als „Schnapphahn“ raubte er durchziehende
Handelsreisende aus. Burchard war vermutlich kinderlos und löste das
Lehnsverhältnis über die Burg 1513 auf.
Familie von Raesfeld
Der Kölner Kurfürst Philipp II. von Daun belehnte daraufhin Reiner von
Raesfeldt mit der Burg Lüttinghof. Sein Enkel hieß, wie schon der Sohn,
ebenfalls Reiner. Er übernahm die Burg wahrscheinlich Mitte des 16.
Jahrhunderts. Reiner wurde 1586 Statthalter im Vest Recklinghausen. Während
der Reformation war er Fürsprecher des katholischen Erzbischofs und
Kurfürsten Ernst von Bayern, der auch mehrmals zu Gast auf Lüttinghof war.
Im Achtzigjährigen Krieg besetzten protestantische, niederländische Soldaten
1590 das Haus und nahmen Reiner gefangen. Es folgte eine Belagerung der
Burg, und es kam zu einer Schlacht mit mehreren hundert Toten. Doch erst
nach Zahlung von 8.000 Reichstalern gaben die Niederländer die Anlage frei.
Der Burgherr Reiner starb nach einem Jahr in holländischer Gefangenschaft.
Seine Erbtochter Anna Clara von Raesfeld heiratete um 1593 Johann Heinrich
Hugo Huyn von Amstenrath. 1603 erhielt er vom Kurfürsten die Burg als Lehen.
Johann geriet in Geldnot, und so verkaufte er das Haus Lüttinghof 1615 für
4.000 Reichstaler an Wilhelm von Nesselrode.
Familie von Nesselrode
Wilhelm von Nesselrode folgten seine Söhne Bertram und Mathias. Danach
herrschte Mathias’ Sohn, Johann Wilhelm von Nesselrode. Er starb 1693 als
Domherr in Münster kinderlos. Sein Neffe, Mathias Johann Bertram Wilhelm von
Nesselrode, übernahm danach die Burg. Er starb 1705, woraufhin seine Witwe
Maria Louisa von Brabeck die Belehnung der gemeinsamen Töchter Sebastiana
Anna Charlotte Johanna und Maria Antoinetta Theresia Felicitas beantragte.
1718 heiratete Sebastiana den Freiherren Johann Rudolf Benedikt von Twickel
zu Havixbeck. 1727 oder 1729 übernahm ihr gemeinsamer Sohn, Clemens (I.)
August von Twickel, das Haus Lüttinghof.
Familie von Twickel
Clemens (I.) August übertrug die Burg vermutlich vor seinem Tod 1792 an
seinen 1755 geborenen Sohn, Clemens (II.) August Maria von Twickel. Der
Reichsdeputationshauptschluss hob die Lehnsherrschaft der kurkölnischen
Erzbischöfe 1803 auf, und das Haus Lüttinghof wurde Eigentum von Clemens II.
von Twickel. Er wohnte bis zu seinem Tod 1841, und seine Nachkommen bis in
die 1890er Jahre, im Herrenhaus. Danach bezog es ein Förster. In den 1970er
Jahren diente die Burg als Erholungsheim für Ordensschwestern.
Stadt Gelsenkirchen und Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Der LWL ließ auf der Vorburginsel diesen modernen Neubau errichten.1976
veräußerte Clemens VI. von Twickel die Wasserburg an die Stadt
Gelsenkirchen. Die Stadt übertrug sie 1986 an die Westfälisch-Lippische
Vermögensverwaltungsgesellschaft des Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).
Der LWL renovierte das Herrenhaus und ließ die Vorburg abreißen sowie an
ihrer Stelle einen modernen Neubau errichten. Die Gebäude wurden am 20.
September 1991 als zentrale Restaurationswerkstatt für die Museen des
westfälischen Museumsamtes in Trägerschaft des LWL eingeweiht. Es
beheimatete sieben konservatorische und restauratorische Werkstätten (Holz
und Möbel, Metall, Skulpturen, Gemälde, Textilien, Papier und Leder, Glas
und Keramik), chemische Labors sowie Einrichtungen für Fotografie und
Röntgenaufnahmen. Die Verwaltung der Werkstatt war im Herrenhaus
untergebracht. Zum 31. Juli 2003 wurde die Restaurierungswerkstatt
aufgegeben. Die Räumlichkeiten der Restaurationswerkstatt werden seither als
Büros und seit April 2005 auch als Schulungsräume für die beiden
Gelsenkirchener Studienseminare genutzt. Im Herrenhaus wird seit 2007 die
Burggastronomie von der Familie Meck betrieben.

Architektur und Baugeschichte
Gesamtanlage
Die Wasserburg liegt in einer Niederung in der Nähe eines alten
Handelsweges. Die Gebäude der Anlage stehen auf einzelnen von breiten
Gräften umgebenen Inseln, die durch steinerne Bogenbrücken miteinander
verbunden sind. Der Zugang zur Vorburg erfolgt von Südwesten über eine
Brücke. Voraus erhebt sich der Westflügel des Herrenhauses aus dem
Wassergraben, der ihn von der Vorburg trennt. Südlich des Zuwegs liegt auf
einer Halbinsel eine freie Rasenfläche, auf der bis 1974 eine Burgkapelle
stand. Nördlich davon befindet sich anstelle der einstigen
Wirtschaftsgebäude ein moderner dreiflügeliger Neubau. Von der Hoffläche der
Vorburg führt eine weitere Brücke, von Pfeilern begleitet, auf den nahezu
quadratischen Innenhof der Kernburg. Er wird im Süden und Westen von den
rechtwinklig zueinander angeordneten Flügeln des Herrenhauses eingefasst.
Der Eingang des Herrenhauses führt über eine Treppe am Westflügel ins erste
Geschoss. Auf der gegenüberliegenden Seite des Innenhofs führt eine Brücke,
die von zwei barocken Pfeilern mit aufgesetzten Vasen flankiert wird, zur
langgestreckten Insel des ehemaligen Barockgartens. Vor der Brücke führt ein
schmaler Weg auf eine Terrasse hinter dem Herrenhaus.
Herrenhaus
Das sogenannte Vorhaus, von der Vorburgbrücke aus gesehen das erste Gebäude,
entstand wahrscheinlich kurz vor 1308. Aus dieser Bauperiode sind die 1,65
Meter starken Außenmauern an den Gräftenseiten bis ins erste Geschoss
erhalten. Dieses Bruchsteinmauerwerk war eine im Burggraben stehende fünf
Meter hohe Umfassungsmauer mit einem Wehrgang, die einen 31,5 mal 26 Meter
großen Innenhof einschloss. Innerhalb der Mauer standen das Oberhaus
(Südflügel) und das daran rechtwinklig angeschlossene Vorhaus (Westflügel),
deren Außenmauern ebenfalls teilweise erhalten sind. Zu dieser Zeit bildete
eine Durchfahrt des Westflügels, in einer Achse mit der Brücke der Vorburg,
den Zugang zum Innenhof. Der Haupteingang ins Herrenhaus lag in der
Gebäudeecke im Innenhof.
1423/24 brannte die Burg ab. Teile der Außenmauern konnten bei dem baldigen
Wiederaufbau genutzt werden. Der Südflügel wurde mit feinerem Mauerwerk um
ein Geschoss erweitert. Der etwa 35 cm starke Fassadenabsatz erhielt ein
Werksteingesims. Heute ist er mit Dachziegeln gedeckt. Im Kellergeschoss des
Südflügels wurden Kreuzgewölbe mit Gurtbögen errichtet, die Tonnengewölbe
des Westflügels konnten erhalten werden. Die unterschiedlich alten Gewölbe
führten zu der Annahme, der Südflügel sei ein jüngerer Anbau des
Westflügels.
Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Durchfahrt des Vorhauses zugemauert.
Der Zugang zur Kernburg wurde an die Nordseite der Insel verlegt.
Zum Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts kam es zu größeren
Umbauten. Einem Auftrag vom Juni 1690 an den Maurermeister Niklas Kamarck
zufolge, sollte ein Bau „vom neuen Haus bis heraus zum Weyer hin“ mit einer
7,22 mal 7,54 Meter messenden Kammer, einer Galerie und einer neuen Pforte
errichtet werden. Ob und wenn ja wo genau der Bauauftrag ausgeführt wurde,
ist unklar. In einer undatierten Auftragsbestätigung des gleichen
Handwerkers sollte ein runder Turm aus Ziegelsteinmauerwerk abgebrochen und
durch einen quadratischen Turm mit einer Kantenlänge von 5,65 Meter und vier
Geschossen Höhe ersetzt werden. Bei diesen Turm handelt es sich
wahrscheinlich um einen Treppenturm, der im Gelenk der beiden Flügel stand.
Bis 1692 wurden 100.000 Ziegelsteine für ein „neues Gebäude“ beschafft.
Damit ist vermutlich der Ausbau des zweiten Geschosses des Westflügels um
1700 gemeint. Die Fenster im Untergeschoss wurden vergrößert und den neuen,
regelmäßigen Fenstern im Obergeschoss axial angepasst. Unter den Fenstern
wurden, möglicherweise schon um 1688, geschweifte Sohlbänke angebracht, im
Obergeschoss ein von geschweiften Konsolen getragener Aborterker. Die
Satteldächer mit drei Giebeln wurden 1709 bis 1713 durch Walmdächer ersetzt.
Dabei wurde vermutlich auch das Dachgesims angefügt. Die Außenwand des
Westflügels zum Innenhof und die darunter befindlichen Gewölbe musste 1711
teilweise neu errichtet werden. 1713 wurde der Haupteingang ins Herrenhaus
von der Gebäudeecke ein Stück nach Norden in den Westflügel, in eine Achse
mit dem Barockgarten, versetzt. Die alte Umfassungsmauer im Nordwesten und
Nordosten des Innenhofs wurde vermutlich 1714 abgetragen. Ein Auftrag an den
Maurermeister Henrich Tutmann vom 20. Juli 1715 erwähnt drei Bögen im
Innenhof. Dabei handelt es sich vermutlich um eine Loggia an der
Nordwestseite des Innenhofs, die dem Bau vom Juni 1690 entsprechen könnte.
Wegen der massiven, geschlossenen Bauweise blieb der Wehrcharakter der
Anlage trotz der barocken Umbauten erhalten.
Der Treppenaufgang im Innenhof zum Eingang im ersten Geschoss wurde 1841
nach Plänen des Berliner Architekten C. Freyse neu gestaltet. Die
Treppenführung im Innern wurde 1869/70 verändert.
Vermutlich führten Bergsenkungen zum Einsturz der nordöstlichen Ecke des
Südflügels, die danach erneuert wurde.
Von 1988 bis 1991 wurde die Burg restauriert. Unter anderem wurde das Dach
neu eingedeckt und die Außenwände angestrichen. Der Anstrich mit ziegelroter
Mineralfarbe auf dünnem Schlämmputz erfolgte in Anlehnung an Farbreste des
Mauerwerks im zweiten Geschoss des Vorhauses. Im Inneren wurden die
Holzbalkendecken durch Stahlbeton entlastet, Zwischenwände abgerissen und
eine neue Treppe installiert. Der Innenhof wurde neu gepflastert und neue
Brücken aufgebaut.
Innenausstattung
Der größte Teil der Innenausstattung kam ab der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts nach Haus Havixbeck.
Der Kamin von 1562 stand vermutlich ursprünglich in der Herrenstube in der
Nordwestecke des Vorhauses im ersten Geschoss. Er wurde zur Eheschließung
des Burgherrn Reiner von Raesfeld mit Anna von der Lippe (genannt Hoen)
aufgestellt und wird daher auch Hochzeitskamin genannt. Er lässt sich der
Renaissance zuordnen. Von zwei Säulen gehen Halbbögen aus, die den
Kaminmantel tragen. Der Mantel ist oben und unten von Gesimsbändern
abgeschlossen. Auffallend sind vor allem die vier weit vortretenden Köpfe.
Die beiden Büsten auf der Frontseite lassen sich den Ehepartnern zuordnen.
Zwischen den Büsten befindet sich in der Mitte eine mit Rollwerk dekorierte
Kartusche mit dem Spruch „Uf dusser stuffe sall men sprechen: Ehrbare wordt
un va nemanz gebrechen. 1562.“ („In dieser Stube soll man sprechen: Ehrbare
Worte und von Niemands’ Gebrechen. 1562.“)
Der Kamin von 1688 stand im Rittersaal, wo
heute ein Abguss des Kamins steht. Er stammt aus der Werkstatt des Johann
Wilhelm Gröninger und ist in Baumberger Sandstein ausgeführt und barock
dekoriert. Von Blüten geschmückte Lisenen und Karyatiden halten den
Kaminmantel, der durch Faszien architraviert wird. Zwischen den horizontalen
Balken wird eine Kartusche mit der Inschrift „OMNIA PRO POSTERIS“ („Alles
für die Nachkommen“) von Roll- und Knorpelwerk sowie zwei Putten eingefasst.
Über dem oberen Gebälk folgt ein gesprengter Schweifgiebel. In seiner Mitte
befindet sich eine Kartusche, welche die Ämter und Titel des Burgherrn
Johannes Wilhelm von Nesselrode aufzählt. Die Kartusche darüber zeigt das
Wappen derer von Nesselrode. Beide Kartuschen werden von üppigen Voluten,
Blütenornamentik und Putten umrankt. Den äußeren Abschluss bilden zwei
Frauengestalten, die auf den geschwungenen Giebelstücken ruhen.
Wirtschaftsgebäude
Die drei Flügel der Wirtschaftsgebäude standen auf der Vorburginsel. Sie
enthielten Erntekammern, Schmiede und Holzwerkstatt, Ställe für Kühe,
Schweine und Pferde sowie Wohnräume für die Bediensteten. Der nordöstliche,
weiß verputzte Ziegelstein- und Holzfachwerkbau mit Walmdach wurde 1725
erbaut. Das Gebäude hatte aber einen auf Eichenpfählen gegründeten
Vorgängerbau aus Bruchsteinen. Im 19. Jahrhundert wurde es erneuert und 1948
um Wohnräume im Südosten erweitert. Im Nordwesten schloss sich im rechten
Winkel eine langgestreckte Scheune an. Sie wurde im zweiten Weltkrieg
zerstört und danach wiederaufgebaut, brannte jedoch 1959 ab und wurde
1960/61 ein weiteres Mal neu errichtet. Der Scheune schloss sich der
südwestliche Trakt aus Ziegelsteinen an. Er stammte aus dem Jahr 1838.
Die Wirtschaftsgebäude wurden 1987/88 abgebrochen und an ihrer Stelle ein
großflächig verglaster Backsteinbau mit Holzbaugliedern errichtet. Der
moderne Neubau orientiert sich am Grundriss der alten Vorburg und besteht
wie diese ebenfalls aus drei Flügeln. Der Bau wirkt durch die niedrige
Trauflinie des Satteldachs trotz seiner zwei Geschosse relativ niedrig
gegenüber dem Herrenhaus. 1994 wurde er als „vorbildliches Bauwerk in
Nordrhein-Westfalen“ ausgezeichnet.
Mühlen
Unmittelbar im Südwesten der Burganlage mündet der Hasseler Mühlenbach in
den Picksmühlenbach, der weiter als Rapphoffs-Mühlenbach nach Norden der
Lippe zufließt. Die Bachläufe trieben 1671 zwei Kornmühlen, eine Ölmühle und
eine Walkmühle an. 1691 wurde eine Bohr- und Schleifmühle erwähnt. Der
aufgestaute Rapphoffs-Mühlenbach wurde ab 1716 auch zum Antrieb einer
Papiermühle genutzt.
Nur von der Kornmühle neben dem Zugang zur
Vorburg sind Reste erhalten. Sie wurde 1718 bis 1721 neu erbaut. 1872
erhielt sie vom streng katholischen Müller die Türinschrift „Credo in unam
sanctam ecclesiam et papam infallibilem“ in dem er sich zur Unfehlbarkeit
des Papstes nach dem ersten Vatikanisches Konzil bekannte. Danach wurde die
Mühle als „Unfehlbarkeitsmühle“ bekannt. Im Frühjahr 1945 wurde sie bei
Bombenangriffen zerstört. Ihre Fundamentreste und Mühlsteine erinnern an den
Standort.
Burgkapelle
Eine Anerkennung der Ausstattung (Dotation) einer Kapelle seitens des
Burgherr Johann Stecke – datiert auf den 23. November 1379 – belegt erstmals
eine dem Heiligen Antonius geweihte Kapelle auf Lüttinghof. Unklar bleibt,
ob es sich dabei um einen Kapellenraum im Herrenhaus oder bereits um einen
selbstständigen Bau handelte.
Die Baumaßnahmen der Kapelle um 1500 am heutigen Platz waren demnach
entweder der erste Bau oder eine umfangreiche Erneuerung einer schon
bestehenden Kapelle. Die Fundamente mussten 1516 erneuert werden. Der
Backsteinbau war 13,65 Meter lang und 8,75 Meter breit. Der 3/8-Chorschluss
lag im Nordosten. Sieben zweibahnige Spitzbogenfenster mit spätgotischem
Fischblasen-Maßwerk und die dazwischen stehenden Strebepfeiler gliederten
die Kapelle in der Vertikalen.
Um 1670 stiftete die Familie von Nesselrode den Altar, der einen niedrigeren
ersetzte. Vermutlich wurde zu seiner Aufstellung das mittlere Chorfenster
zugemauert. Das Schmuckwerk des Altars zeigte sowohl Stilformen der
Renaissance als auch des Barock. Aus der gleichen Zeit stammten die
Kirchenbänke, die Wandverkleidung und ein Sakramentshäuschen. Die
Chorschranken kamen aus der Engelsburg Recklinghausen in die Kapelle.
Zwischen 1709 und 1717 wurde die Kapelle mehrmals repariert. Die Fundamente
wurden erneuert, Giebel und Dachgebälk instand gesetzt. Das Dach wurde mit
Moselschiefer neu eingedeckt und das renovierte Mauerwerk neu verputzt.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Giebelwand im Südwesten
verändert. Eine Lithografie von 1837/40 zeigt noch einen quadratischen
Dachreiter aus Holz mit einer steilen Zeltspitze. Später wurde er durch
einen von Kreuz und Hahn bewehrten Glockengiebel ersetzt.
Danach verfiel die Burgkapelle, bis sie 1974 wegen Baufälligkeit abgerissen
werden musste. Auf der freien Rasenfläche ist ihr Grundriss mit Steinplatten
nachgezeichnet.
Gartenanlage
Anfang des 18. Jahrhunderts wurde nordöstlich der Burganlage ein etwa 90
mal 183 Meter großer barocker Ziergarten angelegt. Er war nur über eine
Brücke vom Herrenhaus aus zugänglich und von Gräften umflossen. 1705 wurde
in der Mitte des Gartens ein mehrteiliger Schalenbrunnen (Kaskade) mit einem
vierpassförmigen Überlaufbecken aufgestellt, das einen Durchmesser bis zu
acht Metern aufwies. Um den Brunnen gruppierten sich nach einem Vertrag von
1713 vierzehn große Skulpturen. Von ihnen sind noch sieben etwa 2,10 Meter
hohe Statuen aus Sandstein erhalten. Sie stellen Götter der griechischen und
römischen Mythologie dar (Artemis, Aktaion, Bacchus, Flora, Pan, Herakles
und eine wegen starken Verfalls nicht genauer zu bestimmende weibliche
Gottheit, möglicherweise Daphne). Außerdem befanden sich 1713 vier kleinere
Skulpturen, zwölf Kaiserbüsten auf Postamenten, vier Obelisken und vier
Sonnenuhren im Garten. Er ist – ebenso wie auch ein Nutzgarten mit Gemüse-
und Kräuterbeeten sowie Obstbäumen im Süden der Burganlage – heute nicht
mehr erhalten und wird als Weideland genutzt.